Diabetiker-Medikament Metformin verursacht Vitamin-B12-Mangel
Die Einnahme des bekannten Antidiabetikums Metformin (ursprünglich unter der Bezeichnung Glucophage vermarktet) über einen langen Zeitraum kann bei den Patienten zu einem sich ständig verschlimmernden Vitamin-B12- Mangel führen, berichten niederländische Wissenschaftler.
Unsere Studie zeigt, dass diese Abnahme kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern anhält und sich im weiteren Verlauf verstärkt, schrieben die Wissenschaftler, die am Medizinischen Zentrum der Universität Maastricht arbeiten, in der Fachzeitschrift British Medical Journal. Vor dem Hintergrund der starken Ausbreitung von Diabetes und der Beliebtheit der Behandlung mit Metformin stellt sich hier ein wichtiges Problem.
Metformin wird als Eckpfeiler in der Behandlung von Diabetes gesehen und zählt zu den Medikamenten erster Wahl, die Patienten mit Diabetes vom Typ 2 am häufigsten verschrieben werden, heißt es weiter. Zusätzlich gehört es zu den wenigen [Medikamenten], … die die Gefahr von kardiovaskulären Erkrankungen verringert und die Sterberate senkt.
Kreislauferkrankungen bilden eine häufige Todesursache bei Patienten mit
Diabetes mellitus Typ 2.
Zuvor hatten bereits Untersuchungen mit geringer Laufzeit ergeben, dass die Einnahme des Medikaments die Werte für Vitamin B12 im Körper auf ein unzureichendes Maß senken kann. Die neue Untersuchung hat diesen Trend über einen langen Zeitraum bestätigt.
Metformin … beeinträchtigt die Aufnahme von Vitamin B12, was das Risiko von Vitamin-B12-Mangel erhöht – ein klinisch wichtiger und behandelbarer Umstand«, schreiben die Wissenschaftler.
Im Rahmen der Untersuchung wurde 390 Patienten mit Diabetes Typ 2 über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren dreimal täglich entweder Metformin oder ein Placebo verabreicht. Die Patienten wurden in der Ambulanz dreier außeruniversitärer Kliniken behandelt.
Die Teilnehmer der Untersuchung waren im Durchschnitt 13 Jahre vor der Studie erkrankt und unterzogen sich seit sieben Jahren einer Insulinbehandlung. Ihr Durchschnittsalter lag bei 61 Jahren.
Bei denjenigen, die Metformin erhielten, sanken die Vitamin-B12-Spiegel im Vergleich mit der Placebo-Kontrollgruppe stetig. Dabei sank der Vitamin-Spiegel in den ersten Monaten am stärksten, die Absenkung hielt aber über den ganzen Verlauf der Untersuchung an. Nach vier Jahren war der Vitamin-B12-Spiegel bei den Patienten der Metformin-Gruppe relativ um 19 Prozent gesunken, und ihr Risiko, an Vitam-B12-Mangel zu leiden, um 11,2 Prozent gegenüber der Placebo-Gruppe gestiegen.
Praktisch jeder neunte Patient (8,9), der mit Metformin behandelt wurde, wies eine Unterversorgung an Vitamin B12 auf. Diese erhöhte Risiko blieb auch erhalten, nachdem die Wissenschaftler andere Risikofaktoren wie Alter, die Erkrankungsdauer an Diabetes, die Höhe der Insulindosis, das Geschlecht, Raucher/ Nichtraucher und schon erfolgte Behandlungen mit Metformin herausgerechnet hatten.
Man muss, das zeigt unsere Untersuchung, vernünftigerweise davon ausgehen, dass durch Metformin ausgelöste niedrige Vitamin-B12-Werte bei einigen Patienten zu Schädigungen führen, heißt es in der Untersuchung.
Die Forscher fanden heraus, dass Metformin offenbar die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm beeinträchtigt. Glücklicherweise kann dieser negative Effekt durch die Einnahme von Kalzium ausgeglichen werden.
Vitamin B12 trägt vor allem dazu bei, Nerven und die rote Blutzellen gesund zu halten. Es kommt in tierischen Produkten, Hefe und angereicherten Frühstückscerealien vor. Bei einem Vitamin-B12-Mangel treten als Symptome Anämie, Erschöpfungszustände, Nervenschädigungen und Beeinträchtigungen der Denkleistung auf.
Da ähnliche Symptome auch bei Diabetikern und älteren Menschen zu beobachten sind, fällt die Diagnose des Vitaminmangels in diesen Bevölkerungsgruppen schwer. Dabei kann man einen Vitamin-B12-Mangel, der durchaus schwere Folgeschäden nach sich ziehen kann, leicht durch Nahrungsergänzungsmittel ausgleichen.
Vitamin-B12-Mangel ist vermeidbar; unsere Ergebnisse legen nahe, dass man die Vitamin-B12-Konzentrationen im Rahmen einer langfristigen Metformin-Behandlung unbedingt regelmäßig kontrollieren sollte, schlussfolgern die Wissenschaftler.
Fast elf Prozent der amerikanischen Bevölkerung oder 24 Millionen Menschen leiden unter Diabetes. 5,7 Millionen Menschen wissen nichts von ihrer Erkrankung, weil sie nicht diagnostiziert wurde. Weitere 57 Millionen Menschen allein in den USA befinden sich schätzungsweise in einer Vorphase von Diabetes oder leiden unter einem hohen Risiko, an Diabetes zu erkranken.
Weltweit, so schätzt man, sind 246 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Und die Krankheit wird sich weiter ausbreiten, da die sich immer stärker durchsetzende westliche Ernährungs- und Lebensweise häufiger Menschen stark übergewichtig werden lässt.
Von David Gutierrez
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